Kein durchgeknallter Haufen

Rund 80 Beschäftigte aus drei Betrieben (Druckerei, MediaPro und Verlag) haben das erste Mal seit langem zusammen gestreikt. Ein gemeinsamer Erfolg.
Viele Fragen kamen im Zusammenhang mit dem dreitägigen Warnstreik auf. Hier nun die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen:

  1. Seit wann haben wir eine hauseigene Tarifkommission und wer sind ihre Mitglieder?
    Ende März wurden auf einer Verdi- und auf einer DJV-Mitgliederversammlung die Mitglieder der Südkurier-Tarifkommission gewählt. Sie besteht aus 20 Verdi- bzw. DJV-Mitgliedern, die alle Beschäftigte im Hause Südkurier sind: aus der Druckerei, aus der MediaPro und aus dem Verlag (Redakteure und Verlagsangestellte). Sie tagte bereits am 11. Mai  und 1. Juni. Und traf sich erneut  am 22. Juni zur Nachbesprechung der drei Warnstreiktage.

  2. Was wurde bei der Einigungsstelle verhandelt? Reicht uns das nicht? Warum sollen die Beschäftigten im SÜDKURIER einen Haustarif fordern?
    In zwei Verhandlungs- und zwei Einigungsstellentagen haben Betriebsrat Südkurier/ MediaFavoriten und Geschäftsführung ernsthaft um einen Vorschlag zu einer „Betriebvereinbarung Vergütungsordnung“ gerungen. Dieser von beiden Seiten erarbeitete Vorschlag muss jetzt jeweils vom Geschäftsführer Rainer Wiesner und vom Betriebsrat genehmigt und unterschrieben werden. Der Betriebsrat des Südkurier/ MediaFavoriten wird in seiner nächsten Betriebsratssitzung, dazu einen Beschluss fassen. Da an dieser Sitzung alle Betriebsratsmitglieder teilnehmen sollten, die bei den Verhandlungen und den Einigungsstellenterminen dabei waren, findet die nächste Betriebsratssitzung urlaubsbedingt erst am 4. Juli statt. Diese Betriebsvereinbarung wäre von der Struktur und den Inhalten eines Tarifvertrages weit entfernt. Dem Betriebsrat soll zwar ein erweitertes Mitbestimmungsrecht bei Einstellungen eingeräumt werden, aber das ersetzt absolut kein tarifliches Gebilde. Deshalb unterstützen wir Betriebsräte weiterhin die Bemühungen der Gewerkschaften, einen Anerkennungs- oder Haustarif zu verhandeln und durchzusetzen. Das klappt natürlich nur, wenn das viele wollen. Und nicht nur die Gewerkschaftsmitglieder.
    Beides, sowohl die Verhandlungen zur Vergütungsordnung als auch die Bemühungen zum Haustarif, können parallel laufen. Sollte es zu einem Haustarif kommen, ist keiner gezwungen in den Haustarif zu wechseln. Das Gleiche gilt aber auch für eine Betriebsvereinbarung Vergütungsordnung.

  3. Warum streiken die Beschäftigten des SÜDKURIER?
    Bei den Vor-Ort-Streikenden handelt es sich nicht um irgendeinen „durchgeknallten Haufen“. Sie setzen sich gemeinsam gegen die Abwertung der Berufe in Druck und Journalismus ein. Für jedes Unternehmen soll ein eigenes Tarifwerk verhandelt werden, welches möglichst den Status Quo halten soll. Alle Beschäftigten sollen auch in Zukunft mit ihrer Lohn- und Gehaltsentwicklung an die Branchenabschlüsse gekoppelt sein. Es gäbe das Angebot einer Notfallklausel bei nachweislich wirtschaftlichen Problemen – jedoch keine einseitigen Geschäfte: Zum Beispiel: Sparen und Verzicht im Redaktionsbereich nur gegen Kündigungsschutz und Auslagerungsverbot für die Dauer der Laufzeit.

  4.  

Warum wehren sich unsere Geschäftsführungen gegen Haustarife? Warum geht es in Saarbrücken und in Trier?
Geschäftsführer Rainer Wiesner möchte „nicht mit Dritten verhandeln“. Aber: Die Verhandlungspartner wären keine außen stehenden Dritten: Beschäftigte des Südkurier würden mit den jeweiligen Geschäftsführungen verhandeln. Warum versuchen wir es nicht?
Nach Streiks und gewerkschaftlichen Aktionen sind bei der Saarbrücker Zeitung und dem Trierischen Volksfreund Haustarife ausgehandelt worden. Folglich sind im Holtzbrinck-Konzern Haustarifsverhandlungen möglich. Warum nicht bei uns?

 

(SÜDKURIER MedienhausNachrichten, Ausgabe 2/2011)